21 | 10 | 2026
Autorin Beatrice Lanz im Interview

Beatrice Lanz im Interview: Ein Klassentreffen mit Nachwirkungen
40 Jahre nach der Schulzeit trifft sich eine Klasse wieder – und mit ihr kehren alte Erinnerungen und Rollenbilder zurück. In ihrer Komödie ALS WÄRS GESCHTER GSI verarbeitet Beatrice Lanz auch eigene Erlebnisse. Im Interview erzählt sie von zweiten Chancen, tragenden Rollen für ein grosses Ensemble und Humor, der nachwirkt.
Beatrice, an einem Klassentreffen begegnet man auch seinem früheren Ich. Wie viel von deinen eigenen Erfahrungen steckt in diesem Stück?
Sehr viel. Meine eigene Klassenzusammenkunft war überhaupt erst der Anstoss, das Stück zu schreiben. Bei meinen ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern habe ich erlebt, was heute aus ihnen geworden ist. Daraus entstand die Idee für diese Komödie. Das Stück hat also durchaus autobiografische Züge.
Dann könnten sich frühere Schulkameraden darin wiedererkennen?
Kollegen von mir haben sich das Stück angeschaut. Ich glaube, sich selbst hat niemand erkannt. Dafür haben sie andere in den Figuren wiedererkannt und gewusst, wen ich damit meine.
Im Stück geht es auch um die Frage, ob Menschen sich verändern können. Wie siehst du das?
Ich bin überzeugt, dass jeder eine zweite Chance verdient und sich weiterentwickeln kann. Das zeigt sich auch im Stück: Manche Figuren haben Karriere gemacht, obwohl man ihnen das während der Schulzeit kaum zugetraut hätte. Andere haben sich nicht weiterentwickelt – oder in die falsche Richtung.
Mit 13 Figuren hat die Komödie eine grosse Besetzung. Wie schaffst du es, dass niemand zur blossen Statistenfigur wird?
Ich kläre zuerst im Theaterverein ab, wer auf der Bühne stehen möchte. Beim Schreiben habe ich die Menschen, die meine Figuren spielen werden, also bereits vor Augen. Ich kenne ihre Gesichter, ihre Stimmen und weiss, wie sie sich auf der Bühne bewegen.
Das macht vieles einfacher. Ich versuche, für alle eine tragende Rolle zu schreiben: Jede Figur soll wirklich etwas zur Entwicklung des Stücks beitragen.
Beim Lesen lacht man oft und merkt erst einen Moment später, dass dahinter etwas Bitteres steckt. Macht das für dich eine gute Komödie aus?
Ja. Für mich darf eine Komödie auch über den Theaterabend hinauswirken. Man hat gelacht und einen lustigen Abend erlebt. Vielleicht fällt einem später eine Szene wieder ein und man fragt sich: War das eigentlich wirklich so lustig, wie ich es im Theater empfunden habe?
Wenn solche Momente wieder auftauchen, bleibt etwas vom Stück hängen. Das möchte ich dem Publikum mitgeben.
Arbeitest du bereits an einem neuen Stück?
Zurzeit beschäftige ich mich mit einem Freilichttheater und passe das Stück an unsere lokalen Gegebenheiten an. Das nimmt mich momentan sehr in Anspruch. Ich hoffe aber, irgendwann wieder ein eigenes Stück von Grund auf schreiben zu können.
Das Interview wurde aus dem Schweizerdeutschen übertragen und für die schriftliche Fassung gekürzt und redigiert.
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