Breuninger
21 | 09 | 2026

Autor Charles Lewinsky im Interview

Charles Lewinsky im Interview: «Eine Boulevard-Komödie muss man ernst spielen»

Mit «Fascht e Familie» schrieb Charles Lewinsky Schweizer Fernsehgeschichte. Nun sind sechs Folgen der Kult-Sitcom als Bühnenstücke beim Breuninger Theaterverlag erhältlich. Im Gespräch erzählt der vielseitige Autor, weshalb sich Sitcom-Figuren niemals verändern dürfen, warum gute Boulevardkomödien besonders anspruchsvoll sind und was er von grossen Persönlichkeiten wie Fritz Kortner, Heinz Gietz und Georg Preusse gelernt hat.

Herr Lewinsky, neu vertreibt der Breuninger Theaterverlag zehn Folgen von «Fascht e Familie» als Bühnenstücke. Wie kam es dazu?

Immer wieder haben mir Theatervereine geschrieben, dass sie «Fascht e Familie» gerne spielen würden, und nach den Rechten gefragt. Ich bin aber kein Verlag. Nun sind die Stücke beim Breuninger Theaterverlag, dem Spezialisten für Volkstheater. Das freut mich natürlich sehr.

«Fascht e Familie» beschert dem Schweizer Fernsehen bis heute Traumquoten. Wie erklären Sie sich den ungebrochenen Erfolg?

Darauf habe ich zwei Antworten. Die eine, die man nicht unbedingt laut sagen sollte, lautet: Vielleicht war es einfach eine gute Serie. Die andere: Sie hielt sich sehr genau an die Grundregel einer Sitcom. In einer gewöhnlichen Serie entwickeln und verändern sich die Figuren. In einer Sitcom tun sie das nie. Der Status quo bleibt erhalten. Oder anders gesagt: Wenn Vreni Hubacher einen Mann findet, muss sie aus der Sitcom ausscheiden.

Das Publikum begegnet also immer wieder denselben Charakteren. Und je vertrauter man mit ihnen ist, desto lustiger findet man, was sie anstellen.

Auch die Boulevardkomödien, die Sie gemeinsam mit Siegfried Ostermeier unter dem Pseudonym Lewis Easterman geschrieben haben, gehören zu den erfolgreichen Stücken in unserem Verlagsprogramm. Weshalb wird dieses anspruchsvolle Genre dennoch oft belächelt?

Weil es relativ einfach ist, den Leuten vorzumachen, sie hätten etwas sehr Bedeutendes gesehen. Mit Licht, Musik und weiteren Mitteln lässt sich schnell eine bedeutungsvolle Atmosphäre erzeugen. Aber man kann einem Publikum nicht vormachen, es habe sich amüsiert.

Es ist handwerklich sehr anspruchsvoll, eine Komödie so zu bauen, dass sie funktioniert und die Rollen den Schauspielerinnen und Schauspielern Spass machen. Das ist für mich enorm wichtig. Allerdings wird Boulevard häufig falsch gespielt, in dem die Schauspieler versuchen, lustig zu sein.  Aber witzig wird es erst, wenn sie, all die grausamen Dingen, die den Figuren in einer Boulevard-Komödie erfahren, grausam ernst spielen. Erst dann wird sie wirklich komisch.

Was macht für Sie persönlich gute Unterhaltung im Theater aus?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, weil Unterhaltung ganz Unterschiedliches sein kann. Für mich gibt es aber eine einfache Regel: Wenn ich während einer Vorstellung darüber nachzudenken beginne, was ich morgen alles erledigen muss, dann war es keine gute Unterhaltung.

Als junger Mann waren Sie Regieassistent bei Fritz Kortner an den Münchner Kammerspielen. Sie haben einmal gesagt, er habe Ihr Weltbild so gründlich verändert, dass Sie für einige Jahre aufgehört hätten, Regie zu führen. Was haben Sie von ihm gelernt?

Diese Begegnung war für mich extrem wichtig. Ich war damals ein sehr junger Regisseur – gerade einmal 21 Jahre alt. Bei Kortner merkte ich, das ist jemand der schon bedeutend mehr über Theater vergessen hat, als ich in meinem ganzen Leben gelernt. Als ich zurück kehrte, sagte ich meinem Intendanten: Ich kann noch gar nichts. Ich beginne nochmals von vorne.

Ich hatte in meinem Leben mehrmals das Glück, in ganz unterschiedlichen Bereichen mit den Besten zusammenzuarbeiten: mit Fritz Kortner im Theater, mit dem Komponisten Heinz Gietz und mit Georg Preusse. Wenn man mit wirklich grossen, aber auch grauenhaft anspruchsvollen Menschen arbeitet, lernt man etwas und wird auch in seinem eigenen Beruf besser.

Woher kommt Ihre Lust an so unterschiedlichen Formen?

Ich glaube, ich habe von Natur aus eine glückliche Eigenschaft mitbekommen: Ich langweile mich sehr schnell. Deshalb möchte ich immer wieder etwas Neues ausprobieren.

Besonders reizt mich eine Aufgabe, bei der zunächst etwas unmöglich erscheint. Es gab mal ein Filmproduzent, der einen Film machen wollte mit nur einem Schauspieler. Ich sagte darauf: Das ist unmöglich. Ich mache es.

 

Das Interview wurde aus dem Schweizerdeutschen übertragen und für die schriftliche Fassung gekürzt und redigiert.

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